Autismus Was ist Autismus?   Autismus ist eine angeborene, unheilbare, schwerwiegende Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung        des Gehirns und gilt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) als tiefgreifende Entwicklungsstörung. Die charakteristischen Symptome bilden sich fast immer in den ersten fünf Lebensjahren vollständig aus. Betroffen sind kognitive als auch sprachliche, motorische, emotionale und interaktionale Funktionen. Hinzu kommen zahlreiche Verhaltensauffälligkeiten, die besonders für die Bezugspersonen im alltäglichen Umgang mit Menschen im Autismus-Spektrum sehr belastend sein können. Eine Heilung ist nicht möglich. Autismusbedingte Beeinträchtigungen können jedoch mit Hilfe von speziellen Trainings und Therapien gebessert und kompensiert werden. Die meisten Menschen mit Autismus benötigen lebenslange Hilfe und Unterstützung. „Bei Menschen passen die Dinge nicht zusammen. Selbst wenn ich sie oft sah, waren sie immer noch unzusammenhängende Stücke eines Puzzles, und ich hatte keine Möglichkeit, sie zusammenzusetzen.“ (Sean Barron, Autist) Welche Formen von Autismus gibt es?   Es existiert eine große Variationsbreite von Ausprägungsgraden (Spektrum).                                                               Experten sprechen deshalb auch von einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS). Frühkindlicher Autismus (Kanner Syndrom): - Beginn vor dem 3. Lebensjahr - schwere Beeinträchtigungen sozialer Interaktion und Kommunikation - fehlende oder verzögerte Entwicklung der Sprache, Echolalie - repetitive und stereotype Verhaltensmuster - häufig visuelle, auditive oder Körperwahrnehmungsstörungen - ungewöhnliche und stark ausgeprägte Spezialinteressen Asperger-Syndrom: - Beginn erst nach dem 3. Lebensjahr - hohes Sprachniveau - Beeinträchtigung von sozialer Interaktion und Sozialverhalten - häufig motorische Störungen - ungewöhnliche und stark ausgeprägte Spezialinteressen Atypischer Autismus: - atypisches Erkrankungsalter (nach dem 3. Lebensjahr) - Auftreten eines verspäteten frühkindlichen Autismus - Auftreten einer deutlichen Intelligenzminderung möglich STÖRUNG SOZIALER INTERAKTION AUßERGEWÖHNLICHE KONTAKTSCHWIERIGKEITEN AUFFÄLLIGE SPRACHE; ECHOLALIE VERMEIDEN VON BLICKKONTAKT GERINGE EMPATHIE SENSOMOTORISCHE STÖRUNGEN AUTOAGGRESSION/FREMDAGGRESSION VERWEIGERUNG VON VERÄNDERUNGEN STEREOTYPES; ZWANGHAFTES VERHALTEN FIXIERUNG AUF BESTIMMTE THEMEN STRUKTURIERUNGSPROBLEME AUßERGEWÖHNLICHE INTERESSEN UND BEGABUNGEN IN TEILBEREICHEN ---------------------------------------------------------------------- --------------------------------------------------------- SAGE, WAS DU MEINST SCHÄTZE MEINE OFFENHEIT UND DIREKTHEIT VERMEIDE BERÜHRUNGEN UND REIZE (LÄRM, HEKTIK) HALTE ABSPRACHEN UND REGELN UNBEDINGT EIN ERKLÄRE MIR ZUSAMMENHÄNGE SPRECHE MICH DIREKT AN GIB MIR DIE ZEIT; ZU REAGIEREN HALTE MICH IN MEINEN MONOLOGEN AUCH MAL AUF VERMEIDE IRONIE UND WORTSPIELEREIEN AKZEPTIERE MEINE ZWÄNGE UND STEREOTYPIEN DENKE UND HANDLE INKLUSIV TOLERIERE, DASS ICH ANDERS BIN Wie wird Autismus erkannt?   Eine Diagnostizierung von Autismus-Spektrum-Störungen ist sehr schwer. Die genaue Einordnung kann oftmals erst      nach langer Beobachtung erfolgen. Drei Hauptmerkmale sind bei den meisten Personen im Autismus-Spektrum zu beobachten: 1. Die sozialen Fähigkeiten sind schwer gestört. 2. Die Kommunikation und Sprache sind beeinträchtigt. 3. Das Verhalten ist stereotyp, wiederholt sich und folgt bestimmten Ritualen. Zusammen mit dem Autismus treten Begleiterkrankungen auf wie: - AD(H)S - Tourette-Syndrom - Depressionen - Angststörungen, Phobien - posttraumatische Belastungsstörung - Zwangsstörungen - Essstörungen - Schlafstörungen - Stottern - Wutausbrüche, Aggressionen - Selbstverletzungen Wenn eine autistische Störung lange unerkannt bleibt, können diese Begleiterkrankungen in schwerwiegender Form auftreten. Eine frühe Diagnose ist auch aus diesem Grund sehr wichtig. „Viele Menschen halten Autisten wegen ihrer Kommunikationsstörung für kalt und abweisend. Autisten lehnen Menschen aber nicht aktiv ab, sind oft nur sehr mit ihrer eigenen Welt beschäftigt.“ (Prof. Matthias Dose, Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie an der Isar-Amper-Klinik, Taufkirchen) Wie häufig tritt Autismus auf?   Während noch vor wenigen Jahren davon ausgegangen wurde, dass der Autismus eine sehr                                        seltene Störung ist, weisen neuere Untersuchungen höhere Häufigkeiten auf. Insgesamt sind schätzungsweise 6 bis 10 von 100 Menschen von Autismus betroffen, Jungen zwei- bis dreimal häufiger als Mädchen. Es liegen leider keine genauen Angaben zur Häufigkeit von Autismus-Spektrum-Störungen in Deutschland vor. Die untenstehenden Zahlen beziehen sich daher auf Untersuchungen in Europa, Kanada und den USA. Häufigkeit von Autismus-Spektrum-Störungen Alle Autismus-Spektrum- Störungen: 6 bis 10 pro 1000 Frühkindlicher Autismus: 1,3 bis 2,2 pro 1000 Asperger-Autismus: 1 bis 3 pro 1000 Andere tiefgreifende Entwicklungsstörungen: 3,3, pro 1000 Warum steigt aktuell die Zahl der Diagnosen?   - tatsächliche Zunahme der Häufigkeit                                                                                                              - besseres Erkennen durch mehr Wissen - verbesserte Diagnostik - verbesserter Zugang zur Beratung in Autismuszentren/-ambulanzen Was sind Ursachen für Autismus?   Trotz umfangreicher weltweiter Forschungen gibt es noch keine vollständige und schlüssige Erklärung für die Ursachen   von Autismus. Grundsätzlich konzentriert sich aktuell die Ursachenforschung auf drei Bereiche: - Genetik/Vererbung - Neurologie - Umwelteinflüsse „Eine Gruppe ist für mich eine Hölle. Wenn die Kinder nur still sitzen könnten.“ (Dietmar Zöller, Autist)